Hildegard Burjan und die Caritas Socialis

Fr. Mag. Sostaric im Gespräch mit Kindern der 2C

Wer war Hildegard Burjan? Was ist Caritas Socialis? Was macht die Seelsorge? Was bedeutet Demenz? Was ist Hospiz? Was hat das Ganze mit dem „Tag der Zivilcourage“ in einem Gymnasium gemeinsam? Auf meinem Weg zum Gymnasium Kundmanngasse stellte ich mir die ganze Palette von möglichen Fragen. Ich hatte schon einige Erfahrungen mit Gruppen von Schülern und Firmlingen, die manchmal auch mühsam waren, weil Themen aus Vergangenheit und gegenwärtigem sozialen Engagement nicht unbedingt „die coolsten“ sind.

Der Beruf der Seelsorgerin

Bei meinem ersten Besuch vor zwei Jahren kam ich in eine 2. Klasse und begann langsam meinen Beruf als Seelsorgerin zu vorstellen. Dabei half mir die Definition meiner damals 7-jährigen Tochter: „Seele ist der wichtigste Teil eines Menschen, ohne Seele kann man nicht leben. Sorge ist, wenn jemand unsicher ist was zu tun ist und SeelsorgerIn ist ein Mensch der anderen Menschen hilft, mit der Seele zu umgehen“.

Auf meine Frage an die Schüler, wo sich die Seele befindet, haben sich gleich einige gemeldet und erklärt, dass die Seele einfach ein Teil von uns ist, schwer zu positionieren, aber mit Herz und Gefühlen zu tun hat. Ja, ich war schon beruhigt…auch an etwas Unsichtbarem und schwer Erklärbarem, wie der menschlichen Seele, haben die Schüler Interesse gezeigt. Sie haben ganz spontan darüber berichtet, wie wichtig es ist mit Eltern, Geschwister, Lehrer und Freunden über alles zu reden.

Caritas Socialis am Rennweg

Ein Bild der Power Point Präsentation zeigte meinen Arbeitsort, die Einrichtung Caritas Socialis am Rennweg. Hat jemand schon von CS gehört? Wieder ein paar Hände hoch.

„Befindet sich dort auch das Hospiz?“ fragte ein Schüler. Mir war klar, dass ich es hier mit interessierten und informierten Jugendlichen zu tun hatte. „Ja, ein Teil von CS am Rennweg ist auch Hospiz. Wisst ihr was dieses Wort bedeutet?“ Der Begriff „Hospiz“ leitet sich ab vom Lateinischen „hospitium“ und bedeutet Herberge. In diesem Sinn steht Hospiz für die Gastfreundschaft auf der letzten Reise. Alle haben geschwiegen. Wieder keine einfachen Themen, Sterben und Tod. Aber die Schüler ließen sich auch davon nicht erschrecken. Manche kannten schon das Projekt „Der Rote Anker“- CS Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche in der Begegnung mit dem Tod. (Nach meinem Besuch beim Tag der Zivilcourage 2013 und Ausgabe dieses Artikels, hat Caritas Socialis eine neue Initiative begonnen - Wiens mobiles Kinderhospiz „Momo“.) Zurück in die Klasse und zum Tag der Zivilcourage.

Gibt es auch ein Tierhospiz?

Wieder kam eine Frage: „Gibt es bei euch auch ein Hospiz für Tiere?“ Eine gute Frage, ich lachte… Nein, zurzeit gibt es im Rahmen von CS kein Tierhospiz. Aber die Sensibilisierung für Leidende und Not-Bedürftige hat uns weiter auf die Frage gebracht: „Wer braucht unsere Unterstützung, unsere Zivilcourage in der Gesellschaft heutzutage?“ Ich habe noch weiteres über Pflegeheime für ältere Menschen, Tageszentren (wo ältere oder auch kranke Menschen nur tagsüber zur CS kommen und dann wieder nach Hause gehen), Betreuung zu Hause, Kindergarten, Mutter-Kind Heim und Wohngemeinschaften für an Demenz erkrankte Menschen erzählt. Wieder hat sich eine Schülerin gemeldet, ihre Oma war auch verwirrt, dürfte an Demenz erkrankt sein. Sie erzählte wie die Oma nicht mehr wusste welcher Tag es war, oder wie die Familienmitglieder hießen, aber sie spazierte gern und sang. Ich ergänzte auch über eine bestimmte Art der Kommunikation mit Menschen, die an Alzheimer –    häufigste Art der Demenz – leiden, die wir in der CS auch unter dem Namen „Validation“ verwenden, um zu solchen Menschen auf Gefühlsebene näher zu kommen.

Wer war Hildegard Burjan?

Aber, wer hat die Caritas Socialis gegründet, woher kam die Idee? Natürlich von mutigen Menschen. In diesem Fall, von einer interessanten und sozial engagierten Frau, Hildegard Burjan. Jetzt mussten wir zurück in die Geschichte gehen. Um die gesellschaftlichen Umstände vor hundert Jahre besser zu verstehen, erzählte ich kurz, wie die Kinder damals gelebt haben, besonders nach dem 1. Weltkrieg, wie viele arme Menschen es damals gab und keine Arbeitssicherheit, besonders für alleinerziehende Mütter. Diesen Gruppen der bedürftigen Menschen allein wollte Hildegard Burjan helfen. Nicht mit einer Spendenaktion, sondern mit Veränderung der damaligen Gesetze. Deswegen war sie auch die erste Politikerin in Österreich geworden. Dafür brauchte sie sehr viel Mut, weil in dieser Zeit nur Männer in Politik waren. Sie war eine verheiratete Frau und Mutter und stammte aus einer finanziell gut stehenden Familie, hat aber trotzdem die Not anderer Menschen erkannt. Sie hat die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis ins Leben gerufen, die CS-Schwestern sind heute in verschiedenen Ländern tätig. Aus dieser Schwesterngemeinschaft sind auch drei CS Einrichtungen in Wien gewachsen. Genauso wie damals einige Gruppen von Menschen Hilfe brauchten, so ist es auch heutzutage. Die Probleme sind andere, aber Mut ist immer gefragt.

In diesem Sinne können wir die seliggesprochene Hildegard Burjan als Vorbild nehmen. Tag der Zivilcourage ist eine Veranstaltung, wo Schüler über solche Vorbilder lernen können. Alle meine ursprüngliche Fragen, auch die Fragen über die Verbindung zwischen Hildegard Burjan und Tag der Zivilcourage wurden damit beantwortet. Mut den Bedürftigen zu helfen ist in jede Epoche gefragt, kennt kein Alter, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit und macht unserer Welt immer besser.

 

HILDEGARD BURJAN UND CARITAS SOCIALIS

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